Pößneck. Am Dienstag hielt der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke während der Veranstaltungsreihe „Dresdner Gespräche“ der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative eine Rede zum Berliner Holocaust-Mahnmal und die deutsche Erinnerungskultur, die innerhalb und außerhalb der Partei für heftige Reaktionen sorgte.

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) zeigte sich beispielsweise entsetzt: „Björn Höcke verachtet das Deutschland, auf das ich stolz bin. Nie, niemals dürfen wir die Demagogie eines Björn Höcke unwidersprochen lassen.“ Ähnlich deutlich attackierten auch führende Politiker von den Linken, Grünen und der CDU den AfD-Politiker. Selbst aus den eigenen Reihen wurde Höcke angegriffen. AfD-Chefin Frauke Petry warf ihm vor, der Partei zu schaden. Wie jedoch steht der Regionalverband im Saale-Orla-Kreis zu Björn Höcke, der die „bösartige und bewusst verleumdende Interpretationen“ seiner Rede zurückwies? Wir haben beim Verbandssprecher Wolfram von Brandenstein nachgefragt, der gleich zu Beginn klar stellte, dass er die Verbrechen der Nationalsozialisten im Dritten Reich als Schande empfinde. Hier gebe es nichts zu diskutieren, so von Brandenstein.

Kalkül wird Höcke nicht unterstellt

„Die Missverständnisse, die Höckes Rede ausgelöst hat, sind daher bedauerlich“, erklärte der Verbandssprecher, der seinem Landeschef allerdings kein Kalkül unterstellt. „Ob es Absicht war, lässt sich nur sehr schwer beurteilen.“, findet von Brandenstein. Er glaube allerdings auch nicht, dass Höcke bewusst mit der Doppeldeutigkeit seiner Aussagen gespielt habe. Vielmehr habe der „spontane Mensch“ Björn Höcke sich zu den Aussagen hinreißen lassen. Höcke hatte unter anderem das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnet. Außerdem hatte er von einem „vollständigen Sieg“ seiner Partei geredet, den dieses Land brauche. „Der Regionalverband ist nicht sehr glücklich über die Rede“, gesteht von Brandenstein deshalb. Für ihn sei die Angelegenheit aber auch zu sehr aufgebauscht worden, sagt er. Obwohl die Rede noch ein juristisches Nachspiel haben könnte und Höcke nun unter stärker Beobachtung des Verfassungsschutzes steht, glaubt der Regionalchef der AfD, von Brandenstein, nicht, dass dies Auswirkungen auf die Bundestagswahlen der AfD hat. „Es wird nicht schaden, aber auch nichts nützen“, vermutet er.